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O Beaumont.

Wielang halt ich das hier noch aus...

Schule im Ghetto ist immoment mein geringstes Übel. Immerhin bin ich sogar ein bisschen integriert – gegen meinen Willen, aber so läuft das nunmal. Während des Feueralarms werden mir fünf Filterzigaretten angeboten und ich befinde mich aufeinmal inmitten einer Schar kleiner Gangsterjungs mit Goldkettchen und zu tief hängenden Hosen, die irgendwie richtig süß sind. Wahrscheinlich finden die mich alle auf Grund meiner momentanen Antihaltung (bedingt durch äußerste Übermüdung und zu geringe Innenzimmerwohlfühltemperaturen [wiederrum bedingt durch einen Vermieter der sich weigert die Heizung anzuschalten und der extra laute Eigengeräusche neben dem Fernsehapparat auf Volume achtundvierzig bis in die späten Nachtstunden von sich gibt])* extrem cool.

[Gestern hing ich eineinhalb Stunden vor Schulbeginn in dem ausgestorbenen Schulgebäude rum, weil Generalstreik war und ich aber unbedingt in Die Schule wollte und zwar pünktlich, weil Flan, Chaussons aux Pommes und Apfelkuchen auf dem Stundenplan standen. Ein Bäckerlehrling aus Beaumont hat mich mit dem Auto mitgenommen (allerdings zu Boulanger-Zeiten)]

Ich hab Fieber. Mir geht es schlecht und mein Kopf zerplatzt. Meine einzige Rettung sind meine Mitbewohnerinnen. Heute hat Didier sich bei Aline beschwert, dass ich zuviel Klopapier benutze. Er hat das im Mülleimer gefunden (ich frag mich, ob er den in meinem Zimmer oder den in der Küche meint und hoffe letzteren). Und letzte Woche hat er angeblich 30 Euro für Klopapier ausgegeben – wir fragen uns ob er fünflagiges Seidenklopapier geholt hat oder einfach wie gewöhnlich eine ganze Armeeration. Als ich nachhause gekommen bin stürmen Aline und Bénédicte mir entgegen, damit Didier mich nicht abfängt. Das hat er gestern schon gemacht und mich gefragt ob ich nachts denn auch meine Fensterläden schließen würde. Und ich wollte nach dem doch recht anstrengenden Praxis-Schultag (in den Laboratorien herrscht Klimaanlagen- oder Lüftungspflicht) mit 3 Stunden Heimweg bedingt durch Generalstreik und zehnmal so volle Züge und Busse (und halbstündige Wartezeiten an kalten Bahnhöfen und Bushaltestellen) einfach so gerne meine Ruhe haben und war wirklich am Ende als ich an Bénédictes Zimmertür klopfte um mich auszuheulen, Amarettokakao zu trinken und Kuchen zu essen. Deshalb wurde ich heute netterweise gerettet und bin mit den beiden Mädels durchs Dorf gelaufen zum Supermarkt und da haben wir unser eigenes rosa Klopapier geholt und Didier seine letzte Rolle runtergebracht. Danach wollten wir essen, vor Didiers Abendbrotzeit (wie gewöhnlich) und plötzlich war seine Haushälterin (die keine von uns je gesehen hat – Aline wohnt seit 6 Monaten hier) in der Küche damit beschäftigt seine Hemden zu bügeln (die er nie trägt – immer im Feinrippunterhemd), der ganze Tisch war belegt mit Didiers Kram. Die einzigen kleinen Genugtuungen die bleiben : die ganzen Kuchen und Tartes die ich aus der Schule mitbringe nicht mit ihm zu teilen, heimlich Haustiere halten und über ihn zu lachen – nur das fällt leider nicht immer leicht.

man beachte das kochinchinesische Huhn


* „Wenn du nicht genug Platz hast oder dir zu kalt ist hier oder dir irgendwas nicht passt, dann kannst du ja ausziehen.“ Würd ich ja gerne, aber Beaumonts Wohnungsmarkt gleicht leider einer ausgedörrten Steppenwüste, einem Schokotarte ohne Füllung, einem Schulhof in Villiers-le-Bel ohne selbstgebastelten Haschpfeifen. Oder so. Ich geh schlafen.

12.10.11 22:34
 


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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


denis (16.10.11 22:04)
ninachen du armes mäuschen...dein vermieter klingt wie aus einem schlechten film!
ich drücke und herze dich!!!!


kuss denis

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